Das Idyllische Freudenberg...

Über schattige Alleen, vorbei an Windrädern und Sonnenblumenfeldern führt unser Weg in das knapp 50 km nördlich von Berlin gelegene Örtchen Freudenberg. Etwa 250 Seelen bevölkern diesen beschaulich-idyllischen Ortsteil der Gemeinde Beiersdorf-Freudenberg. 

1375 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Seitdem scheint sich hier – zumindest auf den ersten Blick – nicht viel getan zu haben: Dieser Inbegriff eines verschlafenen brandenburgischen Dörfchens hat zwar eine Kirche und sogar drei Dorfteiche, einen Supermarkt, ein Restaurant oder zumindest einen Bäcker suchen wir hier aber vergeblich. 

Lassen wir den Dorfkern in nördlicher Richtung hinter uns, erhebt sich linker Hand bald ein undurchsichtiger Kiefernwald, der ein wohl gehütetes Geheimnis in seinem Dickicht bewahrte…

... UND sein geheimeR Bunker

Hinter einem langsam verwitterndem Stahltor, vorbei an einem längst verlassenen Pförtnerhäuschen betreten wir ein ehemaliges Militärgelände, dessen heruntergekommener, leicht morbider Charme Erinnerungen an die Zeit des Kalten Kriegs weckt. Doch Soldaten haben das Gelände schon seit Jahrzehnten nicht mehr betreten: Der Zahn der Zeit hat weitestgehend ungestört nagen können, die Natur erobert sich das Gelände Stück um Stück zurück...

Einzelne Baracken, Lagerhallen, ein Heizkraftwerk – die Anwohner hielten die Anlage früher für eine einfache Kaserne der Bereitschaftspolizei. Doch was keiner ahnte und sich erst nach der Wende herausstellen sollte: Hinter einer Stahltür, gut getarnt im Keller eines Plattenbaus, erstreckt sich ein über 260 Meter langes Tunnel-Labyrinth. Hier beginnt der Abstieg zur unterirdischen, tiefer im Wald gelegenen Zuflucht des DDR-Innenministers und seines Führungsstabs für den Fall eines Atomkriegs.

Über Luftschleusen zur Dekontaminierung führen beklemmend enge Gänge zu drei separaten Bunkerabschnitten. Zweien sind jeweils ein eigener Garagenkomplex vorgelagert: Hinter den gewaltigen Toren hätten jeweils sechs Busse mit Mitarbeitern des Ministeriums parken können. Zu Ablenkungszwecken wurden die beiden Garagen und Schutzräume auf ihrer gesamten Länge mit jeweils einer überirdischen Tarnbaracke überbaut. 

Der dritte Schutzraum wurde jedoch nicht überbaut, denn er war der wichtigste Teil der Bunkeranlage: Hier waren die Räumlichkeiten des Innenministers, ein OP-Saal und der Lagebesprechungsraum mit seiner beweglichen Kartenwand untergebracht, von wo aus die Geschicke des unter Beschuss stehenden Staates hätten gelenkt werden sollen. 

1986 ging der Bunker in Betrieb, für dessen Bau mehr als 100 Millionen DDR-Mark im Brandenburgischen Boden versenkt wurden.

Der Innenminister und sein Gefolge hätten hier drei Tage überleben können.